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Monthly Archives : Juli 2015

FOCUS: Erfolgsstory Goodgame Studios

In der Ausgabe 27/2015 berichtet der FOCUS über den erfolgreichen Hamburger Spiele-Entwickler: Goodgame Studios. 2009 gegründet, erwirtschaftet das Unternehmen heute mit Online-/Mobile-Games 200 Euro Millionen Umsatz und 35 Millionen Euro Gewinn. Lesen Sie selbst, wie erfolgreich man in der Games-Industrie sein kann.

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„Spielspaß ist Mathematik“

Samstag, 27.06.2015, von FOCUS-Korrespondent Dr.Holger Schmidt 

 Mit einer Mischung aus Datenanalyse und hanseatischer Kaufmannstugend rollen die Goodgame Studios den Spielemarkt auf.

Christian Wawrzinek, 35, hat Zahnmedizin studiert, sein 38-jähriger Bruder Kai ist Jurist. Aber schon 2003, mitten im Studium, gründeten sie ihre erste Internet-Firma, 2009 dann die Zweite. Und die sollte richtig einschlagen: Ihre Goodgame Studios zählen inzwischen zu den größten Spieleentwicklern in Europa. 100 Prozent Wachstum, 200 Millionen Euro Umsatz, 1250 Mitarbeiter und – das ist das eigentlich Interessante – 35 Millionen Euro Gewinn machen das weitgehend unbekannte Start-up zu einem der Helden der deutschen Internet-Wirtschaft.

Ihr Geheimnis: „Wir führen unsere Firma wie Hamburger Kaufleute“, erklärt Christian Wawrzinek. Während die Konkurrenz fast ausschließlich Spieleentwickler beschäftigt, besteht ein Drittel der Goodgame-Belegschaft aus Datenanalysten und Mathematikern, die akribisch jede Zahl auswerten: Wann bricht ein Spieler ab? Bei welcher Gelegenheit gibt er Geld aus? „Spielspaß zu entwickeln ist vor allem Mathematik“, sagt Wawrzinek.

Die Nutzer sollen so lange wie möglich im Spiel bleiben. Denn Goodgame setzt auf Freeto-play-Spiele, die in der Grundversion kostenlos sind. Erst im Lauf des Spiels können Nutzer zusätzliche Inhalte kaufen. Geld gibt zwar nur jeder zehnte Spieler aus. Aber bei 270 Millionen Nutzern aus 200 Ländern, darunter auch aus dem Vatikan, geht das Geschäft trotzdem auf. Das Strategiespiel „Empire: Four Kingdoms“ ist die umsatzstärkste App Deutschlands.

Goodgame hat sich große Ziele gesetzt. „Wir wollen etwas richtig Großes aus Deutschland heraus bauen“, sagt Wawrzinek. Ein Verkauf sei nicht geplant. Stattdessen will er mit Goodgame bis 2020 zu Branchenchampions wie Electronic Arts aufschließen. Dafür sollen weitere Zielgruppen wie etwa Frauen angesprochen und neue Plattformen (Konsolen, Virtual-Reality-Brillen) erschlossen werden. Das Wachstum will Goodgame aus eigenen Mitteln finanzieren, ein Börsengang ist nicht vorgesehen. Und sollte der Plan doch nicht aufgehen, haben die Wawrzineks immer noch ihren persönlichen Plan B. „Wenn wir unsere Ziele nicht erreicht hätten, wäre ich wieder Zahnarzt und Kai Rechtsanwalt geworden“.